Böllertrupp

Kanonier- und Böllertrupp

Der Böllertrupp ist aus den Reihen der Pistolengruppe entstanden, umfasst heute 9 Mitglieder, die alle einen Sprengstoffschein besitzen müssen, und ist Mitglied des Böllerregimentes Hamburg.

Wir böllern heute mit einer Kanone (50 mm), die mit etwa 150 g Pulver sowie ein bis zwei Korken geladen wird, um dann elektrisch gezündet zu werden. Außerdem einem massiven Standböller (40 mm), 4 kleinen Standböllern (22 mm) und 5 Handböllern.

Kanone und Böller kommen zu den offiziellen Anlässen, wie Anschießen, Schützenfest und Schlussschießen zum Einsatz. Vor dem Schützenhaus aufgestellt, bietet die Umgebung den nötigen Platz, um mit der Kanone schießen zu können und der Bevölkerung Hittfelds durch das laute Knallen anzuzeigen, dass traditionelle Ereignisse des Vereins stattfinden, so z.B., wenn im Sommer der Schützenkönig ermittelt wurde.

Außer zu Ehren der vereinseigenen neuen Königswürdenträgern, tritt unser Böllertrupp bei verschiedenen Jubiläen wie z.B. dem 75-jährigen Vereinsjubiläum des Schützenvereins Klecken oder zur Proklamation des Vogelschießens der Harburger Gilde auf. Zudem treffen wir uns mit Gleichgesinnten bei verschiedenen Böllerschützentreffen in weit und nah.

Gruppenbild zum 125-jährigen Jubiläum
Die Geschichte unserer Kanone

Es gibt ein altes Gruppenfoto zum 100jährigen Jubiläum des Vereins, auf dem zwei scheinbar alte Kanonen mit Schild zur Dekoration aufgestellt wurden. Diese Kanonen sind ursprünglich mal von Fritz Kögler bei der Firma Pohlmann (Hittfeld Nr. 200) gebaut worden. Eine davon gehörte unserem Verein und eine dem KKS Hittfeld. Diese Kanonen dienten ausschließlich zur Dekoration und existieren leider nicht mehr.

Schützenfest für König Reinhard Krüger 1970/71

Erst im Jahre 1995 wurde das erste Mal in der Pistolengruppe des Vereins über eine neue Kanone gesprochen. Die erforderlichen Zeichnungen für eine Kanone nach amerikanischem Vorbild konnte Hans-Dieter Hochfeldt besorgen. Der Maßstab der Kanone wurde dabei etwas verkleinert, sodass man auf eine Kanonenbohrung von 50 mm Durchmesser kam. Wolfgang Jastram konnte das Kanonenrohr in der Lehrwerkstatt von Thyssen drehen. Zwei Lafettenohren wurden zusätzlich an das Kanonenrohr geschweißt. Die Kanonenbohrung und die Zündbohrung wurde aus rechtlichen Gründen in einer kleinen Schlosserei in Garlstorf gefertigt, die Kosten hierfür wurden eigenständig von der Pistolengruppe aufgebracht. Anschließend wurde das Kanonenrohr 1996 gut eingeölt und in einer Holzkiste vor Schmutz geschützt im Schützenhaus eingelagert.

Die weiteren Überlegungen zur Beschaffung der noch fehlenden Teile schliefen dann im Laufe der Zeit ein. Erst im Jahre 2001 absolvierten einige Pistolenschützen eine Wiederladeprüfung in Buchholz, wo eine schöne Kanone im Schützenhaus ausgestellt war, die von Pistolengruppen-Leiter Karl-Heinz Pleschke und seinen Schützlingen aufmerksam in Augenschein genommen wurde. Dieses löste neue Überlegungen zur Fertigstellung der eigenen Kanone aus und Bernd Waldheim behauptete kühn, die Kanone könnte bis zum Schützenfest im Sommer aufgebaut sein, wenn man es nur wollte. Diese Äußerung löste im ersten Moment großen Zweifel aus, bestärkte allerdings die Aktivitäten so sehr, dass man sich nun wieder verstärkt auf die Suche nach Teilen für die Kanone machte.

Zuerst kümmerte man sich bei Herrn Belling vom Beschuss-Amt in Hannover um einen Termin zum Beschießen des Kanonenrohres, denn dazu war ein Unterbau nicht nötig. Das Beschießen fand in einen alten Steinbruch bei Bad Münder statt, wo der Sprengmeister, dessen Gesicht von Pulverresten bereits blau gezeichnet war, einen Beschuss mit scharfer Munition in Aussicht stellte. Dabei wurden mit 2 kg die doppelte Menge Schrotblei, sowie die doppelte Menge Schwarzpulver geladen. Nun musste das Kanonenrohr, dieser Explosion stand halten. Dazu wurde das Rohr auf einen dafür vorbereiteten Baumstamm mit Schussrichtung direkt auf eine Felswand ausgerichtet, vor der noch diverse Bäume und Büsche das Gelände begrünten. Mit der elektrischen Zündung entlud sich der Schuss mit einem gewaltigen Knall und das Schrotblei riss eine breite Schneise in den Bewuchs, die etwa 300m entfernte Felswand blieb aber unbeschadet, da sich die ballistische Kurve des Schrotbleis nach etwa 40m im Boden verlor. Das Kanonenrohr flog allerdings etwa 3m hinter den Baumstamm und landete unbeschadet in einen Sandhaufen. Diese Beschussprüfung für den scharfen Beschuss wurde in Form einer Gravur im Kanonenrohr festgehalten und gilt ein Kanonenleben lang, wogegen der Böllerbeschuss mit der halben Ladung alle 5 Jahre wiederholt werden muss. Die Kosten von ca. 70 DM für diese Prüfung übernahm ebenfalls die Pistolengruppe.

Nun musste noch eine Lafette besorgt werden, ein fahrbarer Unterbau, auf dem das Kanonenrohr montiert wird. Dazu gehören das Lafettengestell, diverse Beschläge und natürlich eine Achse mit Rädern. Bernd Waldheim fand die Firma J. Schlottmann aus Schwerin nach einigen Recherchen im Internet. Hier konnten Karl-Heinz Pleschke und Bernd Waldheim dann nach längeren Verhandlungen eine geeignete Lafette erwerben, die Kosten in Höhe von 1350 DM hatte Bernd Waldheim aus eigener Tasche übernommen. Nachdem die neue Lafette gestrichen wurde, fertigte Karl-Heinz Pleschke in seiner Firma Beschläge an, die das Kanonenrohr auf der Lafette befestigten, sowie Griffe, zum Anheben der Kanone.

Zwischenzeitlich musste Bernd Waldheim beruflich nach Griechenland, wo er seine Beziehungen nutzte und nach einer Achse mit Rädern für unsere Kanone suchte. Ein Vorstandsmitglied seiner Firma und Ex-General der griechischen Armee, den er kannte, hörte sich in den umliegenden Kasernen nach einer Achse mit Rädern um. Bald wurde er fündig, sodass Bernd den Transport der Originalteile auf eigene Kosten nach Deutschland per Luftfracht organisierte. Zurück in Deutschland, holte Bernd die wertvolle Fracht in Fuhlsbüttel am Flughafen ab.

Damit die Proportionen zwischen Achsabstand und Kanonenrohr stimmten, wurde die Achse bei Schmied Engber in Karoxbostel gekürzt, die Holzabdeckung für die Achse hat dann Bernd Sembritzki gebaut. Zum Schluss wurde die gesamte Kanone stilvoll bemalt. Somit war die Kanone, wie von Bernd Waldheim angestrebt, zum Schützenfest 2001 fertig und konnte so, vor ihrem ersten Einsatz, zur Schau gestellt werden.

Bei einer von Bernd Waldheim durchgeführten Sammlung unter den Schützenbrüdern bei diesem Schützenfest kam anschließend genügend Geld zusammen, um Zierbeschläge bei Schmied Engber in Auftrag zu geben und das Verbrauchsmaterial für die Kanone zu kaufen. Im Verlauf der Jahre wurden auch weiterhin Spenden für die Unterhaltung der Kanone gesammelt. Im Jahre 2007 sind alle Spender auf zwei Messingplatten, die an der Kanone befestigt wurden, verewigt worden. Die Kanone ist Besitz des Vereins und soll auch weiterhin durch Spenden unterhalten werden.

Aufgeschrieben im Juni 2008.
Chronist Sören Sahling